Posts Tagged 'USA'

US-Wahlen 2008 – Neue First Lady ist Soziologin

von Stefan Spiess

Nur ein Schlaglicht am Rande: Michelle Obama studierte Soziologie und afroamerikanische Studien in Princeton und Jura in Harvard [Focus, FAZ]. Da bleibt zu Hoffen, dass die soziologische Weitsicht sie an der Seite ihres Mannes zu einer guten Beraterin macht. Ihre Vorgängerin studierte Erziehung und Bibliothekswissenschaften [WhiteHouse], da hätte sie doch eigentlich Inhalte beider Studiengänge an ihren Gatten herantragen können, oder?

Sonntagsfilm: Obamas halbstündiges Infomercial zur besten Sendezeit

von Martin Booker

Einen seltene Publicity-Offensive erlebten die USA vor wenigen Tagen. Barack Obamas Wahlkampfteam hatte sich Werbezeit bei den großen Fernsehsendern des Landes eingekauft – und zwar in Massen! Der halbstündige Obama Infomercial-Clip lief zur besten Sendezeit und zeitgleich auf 7 TV-Sendern des Landes (sogar auf Fox! 😉 ). Die Kosten dieser Unternehmung betrugen laut Medienberichten zwischen drei und fünf Millionen Dollar.

Obama schildert darin dokumentationsgleich einige typische Schicksale von Amerikanern und erklärt, wie er deren Situation verbessern möchte. Der Film ist aber auch eine beeindruckende Veranschaulichung der politischen Kultur der USA. Immer wieder taucht das Motiv des Self-Made-Man auf, der sich unabhängig von der Bevormundung des Staates ein Leben aufbauen will. Continue reading ‘Sonntagsfilm: Obamas halbstündiges Infomercial zur besten Sendezeit’

Mit dem US Militär unterwegs im “Human Terrain” – Soziologisches Wandern mit dem Gewehr im Anschlag

von Stefan Spiess

Der gute alte Max Weber hat einst einen feinen Werturteilsstreit losgetreten: Darf der Sozialwissenschaftler in irgendeiner Weise nicht objektiv sein? Nein, sagte Weber, darf er nicht, er muss ständig wertneutral bleiben, so objektiv wie das möglich ist. Doch da beisst sich die Soziologie ein wenig selber, denn wie objektiv kann ein Mensch sein, wenn er in genau diejenige Materie am stärksten eingebunden ist, über die er forscht?

Nun gibt es das in harmloser Form, wenn beispielsweise ein Sozialwissenschaftler zum Spaße die Eissortenpräferenzen seiner Bekannten auslotet – da mag er einfach subjektiv und selektiv den Schokoladeneisessern mehr Aufmerksamkeit widmen, viel Schaden entsteht da nicht. Aber was passiert, wenn man als Sozialwissenschaftler mit der US-Army auf Reisen geht, um das “Human Terrain” eines Landes zu erkunden und darzustellen, um einen “reibungsloseren” Krieg zu ermöglichen?

Weiterführende Links:

  • Anthropologisierung des Militärs (Telepolis)
  • Werturteilsstreit (wiki)
  • Gesellschaft als objektive Wirklichkeit (wiki)
  • Anthropologen bei der Arbeit? / © U.S. Army

      Stefan Spiess ©2008

    Max Weber besucht Amerika

    Posted by Martin Booker © 2008

    Als Max Weber die Vereinigten Staaten besuchte, lachten einige über ihn. Er trug Knickerbockerhosen, die damals (1904) in den USA eigentlich nur von Kindern getragen wurden. Andere hielten ihn für einen deutschen Spion, schließlich sprach er fast nur deutsch und das Mißtrauen gegenüber den Deutschen hatte Konjunktur. Von diesen und anderen Kuriositäten erzählt uns dieses von der North Carolina Sociological Society zusammengestellte, von Larry Keeter und Stephen Hall moderierte Video über den Besuch Webers in Amerika, insbesondere in North Carolina. Dabei wurde altes Filmmaterial aus den 70er Jahren benutzt, in dem zwei Augenzeuginnen des Besuchs, Cousinen von Weber, interviewt wurden. Für Interessierte gibt es aber auch reichlich Hintergrundinformationen zu Webers Arbeit, insbesondere der “Protestantsichen Ethik”. 23 Minuten, leicht verständliches American English.

    Ist der Qualitätsjournalismus in den USA noch zu retten?

    Posted by Martin Booker © 2008

    Die Qualität des Journalismus hat abgenommen – meint zumindest der US-Journalist Bill Kovach. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung erläutert er, welche Fehlentwicklungen dazu geführt haben und wie er dazu beitragen will, den Trend umzukehren. “Journalisten sollen wieder neu an ihren Beruf, seine Prinzipien und seine Funktion glauben können”, so Kovach. “Dazu gehört auch, dass die Öffentlichkeit besser versteht, worum es sich bei diesen Prinzipien überhaupt handelt. Und letztlich müssen auch Medien-Eigner und Management begreifen, wie wichtig sie sind und welcher finanzielle und soziale Wert mit ihnen verbunden ist.”

    Um die Aufklärung von Medienschaffenden und der breiteren Öffentlichkeit zu fördern, hat Kovach das Committee of Concerned Journalists (CCJ) mit aufgebaut und ist derzeit ihr Vorsitzender. Das CCJ ist ein Netzwerk von Reportern, Verlegern, Redakteuren, Medienproduzenten und Wissenschaftlern, das sich für Qualität im Journalismus einsetzt und sich in diversen Foren darüber austauscht. Zudem unterhält das CCJ eine Website, die über aktuelle Entwicklungen in der (vorwiegend englischsprachigen) Medienbranche informiert und reflektiert: http://concernedjournalists.org

    Wahrscheinlich sind beide Phänomene eine typische Erscheinung für das heutige Amerika: Einerseits sehen wir eine starke Kommerzialisierung vieler Medien und teilweise auch eine starke inhaltliche Vereinnahmung derselben durch ihre Besitzer. In extremen Fällen resultiert daraus ein deutlicher Verfall an journalistischer Seriösität (z.B. FOX News), den wir uns im alten Europa kaum vorstellen können. Andererseits entstehen in der Mitte der Zivilgesellschaft Gegenbewegungen wie das CCJ. Ich bin sehr gespannt, wie sich diese Initiativen im Gesamtbild niederschlagen werden. Denn nicht selten entfalten zivilgesellschaftliche Bewegungen in den USA eine Wirkung, wie wir sie uns ebenfalls in (Kontinental-) Europa nur schwer vorstellen können.

    Die protestantische Ethik und die Weltmacht USA

    von Martin Booker

    Max Weber erkannte einst so trefflich den Zusammenhang von protestantischer Ethik und dem Geist des Kapitalismus. Er stellte überzeugend dar, wie verschiedene im Protestantismus enthaltene Werthaltungen zur Ausbildung eines langfristig orientierten kapitalistischen Wirtschaftssystems führten (was nicht unbedingt dem entspricht, was heute oft unter Kapitalismus verstanden wird).

    Walter Russell Mead vom Council of Foreign Relations hat die Frage untersucht, warum Großbritannien und die USA seit 300 Jahren die Vormachtstellung in der Welt einnehmen. Er kommt zu einem ähnlichen Schluss wie einst Weber. Kapitalismus und offene Gesellschaft, die er beide auf den protestantischen Geist zurückführt, waren und sind grundlegend für die anglo-amerikanische Dominanz.

    Harry Kreisler vom Institute of International Studies an der University of California in Berkeley hat in seiner Serie Conversations with History den Autor interviewt.


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