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Soziologisches Quartett – Original und Imitat

Posted by Martin Booker © 2008

Die ZEIT hat vor wenigen Wochen ein – wie ich finde – witziges Quartettspiel entworfen. Chris Köver (Texte) und Peter M. Hoffmann (Bilder) lassen Kluge Denker aus Geistes- und Sozialwissenschaften gegeneinander antreten. Philosophen, Soziologen und Historiker messen sich in den Kategorien Alter bei Erstberufung, Dickstes Werk, Berühmtheit, Charisma, Stärken und Schwächen, Besondere Fähigkeiten, Hauptwerk und Lieblingskonzept. Habermas sticht Bourdieu, Hannah Arendt sticht Judith Butler. Ein witziger Zeitvertrieb, den man hier in einer ZEIT-Bildergalerie besichtigen kann.

Die ZEIT kann allerdings keineswegs als Erfinderin dieser Art von Quartett gelten. In den Jahren 2000/2001 hat der englische Soziologe David Gauntlett (University of Westminster, Website www.theory.org.uk, Facebook-Gruppe) bereits ein ähnliches Spiel entworfen. Er hat zunächst 12 Karten mit kurzen Texten zu dem jeweiligen Wissenschaftler oder der jeweiligen Forschungsrichtung geschrieben und die Stärken und Schwächen aufgelistet. Welche Karte die andere sticht, müssen die Spieler in offener Diskussion entscheiden. Dazu kamen zahlreiche bootleg cards, die von Fans entworfen wurden und allesamt auf dieser Seite heruntergeladen werden können. Das Spiel ist in der englischsprachigen Welt ein großer Erfolg, die Website erhält nach Angaben Gauntletts pro Monat etwa 35.000 Hits. Eine erweiterte Version des Kartenspiels ist in vielen Buchläden des Königreichs oder im Internet erhältich. Wäre auf jeden Fall korrekter gewesen, wenn die Herren der ZEIT auch auf das Original verwiesen hätten.

Und so läuft das Spiel schließlich:

“[The players] discuss who has got the best characteristic in [the given] category, for example:

The Giddens risk, “Misguided postmodernists may attack” is preferable to the Butler weakness “increasingly impenetrable writing style”. (It doesn’t matter if some postmodernists misunderstand your argument and slag you off. But if no-one can understand your argument in the first place, that’s bad). So here, when comparing Weakness/Risks, the player with the Giddens card wins (unless someone else’s card beats theirs).

The Foucault strenght, “Model of power innovative and realistic” is better than the Psychologists strenght, “Resistance to Postmodern self-doubt”. (Self-belief isn’t much of a contribution to the world, but good ideas are). So here, when comparing Strengths, the player with the Foucault card wins (unless someone else’s card beats theirs).”

Na, wenn das keinen intellektuell anspruchsvollen Spieleabend verspricht!

Bilder: www.theorycards.org.uk

Genieren Sie sich nicht?

von Martin Booker

Im Alltag bewegen wir uns auf dünnem Eis! Wir merken es nur nicht, solange alles in den Bahnen verläuft, die wir als selbstverständlich voraussetzen. Und das tut es meist. Die österreichische Komikertruppe von “echt fett” hat eine Kunstform daraus gemacht, diese “Selbstverständlichkeiten der alltäglichen Lebenswelt” (Alfred Schütz lässt grüßen!) herauszufordern. Stellen Sie sich vor, Sie schlendern ahnungslos die Straße entlang. Doch die Menschen, die Ihnen entgegenkommen, verhalten sich anders als erwartet…

Was dies zeigt? So einfach ist das nicht mit dem alltäglichen Verhalten! Vielmehr ist der Alltag durchdrungen von Strukturen, von gesellschaftlichen Normen und Erwartungen, die uns meist erst bewusst werden, wenn jemand sie bricht.


Willkommen! Auf dieser Seite verlassen Soziolog/inn/en den Elfenbeinturm und führen öffentliche Experimente mit soziologischen Gedanken, Konzepten und Sichtweisen durch.

I am a hard bloggin' scientist. Read the Manifesto.

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