Posts Tagged 'Journalismus'

Mit dem US Militär unterwegs im “Human Terrain” – Soziologisches Wandern mit dem Gewehr im Anschlag

von Stefan Spiess

Der gute alte Max Weber hat einst einen feinen Werturteilsstreit losgetreten: Darf der Sozialwissenschaftler in irgendeiner Weise nicht objektiv sein? Nein, sagte Weber, darf er nicht, er muss ständig wertneutral bleiben, so objektiv wie das möglich ist. Doch da beisst sich die Soziologie ein wenig selber, denn wie objektiv kann ein Mensch sein, wenn er in genau diejenige Materie am stärksten eingebunden ist, über die er forscht?

Nun gibt es das in harmloser Form, wenn beispielsweise ein Sozialwissenschaftler zum Spaße die Eissortenpräferenzen seiner Bekannten auslotet – da mag er einfach subjektiv und selektiv den Schokoladeneisessern mehr Aufmerksamkeit widmen, viel Schaden entsteht da nicht. Aber was passiert, wenn man als Sozialwissenschaftler mit der US-Army auf Reisen geht, um das “Human Terrain” eines Landes zu erkunden und darzustellen, um einen “reibungsloseren” Krieg zu ermöglichen?

Weiterführende Links:

  • Anthropologisierung des Militärs (Telepolis)
  • Werturteilsstreit (wiki)
  • Gesellschaft als objektive Wirklichkeit (wiki)
  • Anthropologen bei der Arbeit? / © U.S. Army

      Stefan Spiess ©2008
    Advertisements

    Ist der Qualitätsjournalismus in den USA noch zu retten?

    Posted by Martin Booker © 2008

    Die Qualität des Journalismus hat abgenommen – meint zumindest der US-Journalist Bill Kovach. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung erläutert er, welche Fehlentwicklungen dazu geführt haben und wie er dazu beitragen will, den Trend umzukehren. “Journalisten sollen wieder neu an ihren Beruf, seine Prinzipien und seine Funktion glauben können”, so Kovach. “Dazu gehört auch, dass die Öffentlichkeit besser versteht, worum es sich bei diesen Prinzipien überhaupt handelt. Und letztlich müssen auch Medien-Eigner und Management begreifen, wie wichtig sie sind und welcher finanzielle und soziale Wert mit ihnen verbunden ist.”

    Um die Aufklärung von Medienschaffenden und der breiteren Öffentlichkeit zu fördern, hat Kovach das Committee of Concerned Journalists (CCJ) mit aufgebaut und ist derzeit ihr Vorsitzender. Das CCJ ist ein Netzwerk von Reportern, Verlegern, Redakteuren, Medienproduzenten und Wissenschaftlern, das sich für Qualität im Journalismus einsetzt und sich in diversen Foren darüber austauscht. Zudem unterhält das CCJ eine Website, die über aktuelle Entwicklungen in der (vorwiegend englischsprachigen) Medienbranche informiert und reflektiert: http://concernedjournalists.org

    Wahrscheinlich sind beide Phänomene eine typische Erscheinung für das heutige Amerika: Einerseits sehen wir eine starke Kommerzialisierung vieler Medien und teilweise auch eine starke inhaltliche Vereinnahmung derselben durch ihre Besitzer. In extremen Fällen resultiert daraus ein deutlicher Verfall an journalistischer Seriösität (z.B. FOX News), den wir uns im alten Europa kaum vorstellen können. Andererseits entstehen in der Mitte der Zivilgesellschaft Gegenbewegungen wie das CCJ. Ich bin sehr gespannt, wie sich diese Initiativen im Gesamtbild niederschlagen werden. Denn nicht selten entfalten zivilgesellschaftliche Bewegungen in den USA eine Wirkung, wie wir sie uns ebenfalls in (Kontinental-) Europa nur schwer vorstellen können.


    Willkommen! Auf dieser Seite verlassen Soziolog/inn/en den Elfenbeinturm und führen öffentliche Experimente mit soziologischen Gedanken, Konzepten und Sichtweisen durch.

    I am a hard bloggin' scientist. Read the Manifesto.

    Kategorien

    Soziologie Fan-Shop

    web site analytic