Posts Tagged 'Interview'

Von Ganoven, Wilderern und Sozialisten

Posted by Martin Booker

Der Wiener Soziologie-Professor Roland Girtler ist in Deutschland vor allem durch sein Standardwerk “Methoden der qualitativen Sozialforschung. Anleitung zur Feldarbeit” bekannt. Viel weniger weiss man hierzulande von seinen Feldforschungen in der Wiener Rotlichtszene, seinen Arbeiten über Wilderer in Oberösterreich und seinen Ausführungen zu den Gemeinsamkeiten von Ganoven und Aristokraten. Hier in Regensburg bleibt einer seiner Gastvorträge vor vielen Jahren in Erinnerung, in dem er eine alte Jagdflinte auspackte und dem Auditorium das Arbeitsgerät eines Wilderers vorführte. Er hatte das Gewehr über die damals noch kontrollierte Grenze geschmuggelt. Seinen Status als Exzentriker unter den Soziologen unterstreicht Girtler in diesem wirklich amüsanten Interview mit Rachel Vogt von der schweizerischen Wochenzeitung. Ein kleiner Ausschnitt:

Wissens, ich war ja nie ordentlicher Professor, war nie Chef, ich war immer ein kleiner Typ, das war das Schönste, ich hatte viel mehr Freiheit. Aber es ist schon so: Dass ich Professor geworden bin, das ist mir bis heute ein Rätsel. Mir hat ein alter Wiener Jude einmal gesagt: Um was zu werden, braucht man drei Sachen: Sein, Schein und eine Menge Schwein: Man muss etwas können, aber man braucht auch Schmäh und Tricks, man muss ja nicht immer die volle Wahrheit sagen.

Mit großem Interesse habe ich heute Claus Offes Ansichten zum Erstarken der Linken in diesem Artikel in der FAZ gelesen. Offe fordert eine aktive Auseinandersetzung mit den Linken und warnt vor einer Verdrängung des Phänomens. Sein Fazit:

Es gibt also viele gute Gründe, die Linkspartei nicht zu wählen. Es gibt kaum Gründe, die Wähler der Linken moralisch zu attackieren (statt mit ihnen zu debattieren, nach Bedarf ihr Geschichtsbild zurechtzurücken und gegebenenfalls zu verhandeln).[…] Statt sich in Schmuddelkinder-Rhetorik zu üben, könnten die Aktivisten der DDR-Opposition vielleicht eine Rolle bei dem Versuch spielen, der Linkspartei bei ihrer bevorstehenden Programmbildung keinerlei Anleihen aus dem Instrumentenkasten des autoritären Staatssozialismus durchgehen zu lassen.

Die Zukunft des Journalismus in der SZ

Posted by Martin Booker © 2008

Die Süddeutsche Zeitung hat die Serie “Zeitenwechsel” zum Thema Zukunft des Journalismus gestartet. In acht Interviews werden namhafte Experten zu den derzeitigen und zu erwartenden Umwälzungen in der Medienlandschaft befragt. Den Anfang machte diese Woche John Lloyd, der u.a. Direktor des Reuters Institute for the Study of Journalism an der Universität Oxford ist, sowie Mitherausgeber der “Financial Times“ und Kolumnist für “La Repubblica“. Er spricht über die Bedeutung von Internet-Auftritten, welche Zeitungen wohl überleben werden und die zukünftige Rolle von Blogs und Vlogs. Zum Lloyd-Interview “google-News ist unser Feind”. Auf die weiteren Experten-Gespräche bin ich jedenfalls sehr gespannt!

Ich blogge also bin ich – Geert Lovink im ZEIT-Interview

von Martin Booker

Wolfgang hat mich heute auf ein sehr interessantes Interview aufmerksam gemacht: DIE ZEIT hat den niederländischen Politikwissenschaftler und Medienexperten Geert Lovink zum Thema Blogger-Gesellschaft befragt. In dem Interview werden wichtige Fragen einer sich herausbildenden Web-Soziologie aufgeworfen und einige Konzepte vorgestellt. Bewegen wir uns auf eine Kultur der Amateure zu, die den Informations- und Meinungsprofis Konkurrenz macht? Oder ist das Bloggen einfach nur eine neue Möglichkeit des Selbstausdrucks, ein Jahrmarkt der Eitelkeiten? Wie hängen Demokratie und Blogosphäre zusammen, falls überhaupt? Was lässt sich über die Zukunft des Bloggens sagen? Sind solche Voraussagen überhaupt möglich?

Diese und viele andere Fragen beantwortet Geert Lovink in dem ZEIT-Interview “Ich blogge, also bin ich” (vom 19.12.2007).


Willkommen! Auf dieser Seite verlassen Soziolog/inn/en den Elfenbeinturm und führen öffentliche Experimente mit soziologischen Gedanken, Konzepten und Sichtweisen durch.

I am a hard bloggin' scientist. Read the Manifesto.

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