Posts Tagged 'Geburtstag'

homo sociologicus wird ein Jahr alt

von Martin Booker

Wir feiern Blog-Geburtstag! Am 4. Dezember 2007 erblickte der homo sociologicus das Licht der Welt – Zeit für ein paar Danksagungen: Vielen Dank an alle, die vor und hinter den Kulissen mitgewirkt haben; an alle Besucher, die ihre Begeisterung für die Soziologie mit uns teilten und teilen; an all jene, die mit ihren Kommentaren zu reghaften und anregenden Diskussionen beigetragen haben; und natürlich an die Blogger-Community, die uns herzlich in ihre Mitte aufgenommen hat und immer ein Quelle der Inspiration war! 

Unser Namensgeber, Ralph Dahrendorfs Aufsatz über den homo sociologicus, wurde 2008 übrigens 50 Jahre alt.

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Ralf Dahrendorf zum Geburtstag

Posted by Martin Booker

Ralph Dahrendorf / Wikipedia creative commons

Herzlichen Glückwunsch und Happy Birthday von unserer Seite an Ralf Dahrendorf. Der engagierte Wissenschaftler wurde am 1. Mai 1929 geboren und wird heute 79 Jahre alt. Es wäre müßig, all seine Verdienste und alle Stationen seines Lebens an dieser Stelle aufzuführen. Doch wer kann schon von sich behaupten, Mitglied des Deutschen Bundestages, Staatssekretär im Auswärtigen Amt, EG-Kommissar, Direktor der London School of Economics and Political Science, Mitbegründer der Universität Konstanz und als Baron Dahrendorf of Clare Market Mitglied des britischen Oberhauses gewesen zu sein bzw. immer noch zu sein? Ach ja, mit 16 Jahren hat er sich mit dem Nazi-Regime angelegt und ein sehr geachteter Soziologe ist er natürlich auch, der Baron! Er hat uns das Dahrendorf-Häuschen beschert, Wege aus Utopia gewiesen und nicht zuletzt das Konzept des homo sociologicus nahe gebracht.

Mehr über Dahrendorf z.B. in diesem Wikipedia-Artikel (mit zahlreichen Links). In diesem taz-Interview aus dem April 2008 spricht er über die 68er, die 72er und warum es soziologisch gesehen am besten wäre, wenn Deutschland bei der EM im Sommer bereits in der Vorrunde ausscheidet. In diesem ZEIT-Interview von 2005 spricht er über Deutsche Illusionen. Eine kleine Sammlung von kurzen Essays des umtriebigen Liberalen gibt es auf dieser Seite.

Für eingefleischte Fans und solche, die es werden wollen gibt es schließlich ein etwas älteres, aber äußerst einsichtsreiches 50-minütiges Video-Interview im Rahmen der Berkeley Conversations with History. Dahrendorf ist zur Zeit Forschungsprofessor am Wissenschaftskolleg Berlin und Vorsitzender der Zukunftskommission des Landes Nordrhein-Westfalen.

Ralf Dahrendorf, alles Gute zum Geburtstag und hoffentlich viele weitere produktive Jahre!

Emile Durkheim zum 150. Geburtstag

Emile Durkheim / Wikipedia creative commons

Posted by Martin Booker

Bon anniversaire, Émile Durkheim! Der große Soziologe erblickte am 15. April 1858 das Licht der Welt und wäre heute 150 Jahre alt geworden. Mit seinen Regeln der soziologischen Methode, seinen Studien über die soziale Arbeitsteilung und die elementaren Formen religiösen Lebens legte er die Grundlagen für eine vornehmlich strukturalistisch-funktionalistische Soziologie, die etwa in den Werken Marcel Mauss’, Claude Levi Strauss’, Michel Foucault oder Pierre Bourdieu widerhallt. Talcott Parsons, Edward E. Evans-Pritchard, Anthony Giddens oder in Deutschland René König und Alphons Silbermann sahen und sehen sich ebenfalls in der Tradition des großen Denkers.

Meine erste Begegnung mit Durkheim war “der Selbstmord”, der im ersten Semester im Einführungskurs “Soziologische Theorie” zu den gelesenen Pflichttexten gehörte und der wohl beispielhaft ist für die Stärken der Durkheim’schen Soziologie. Er weist darin eindrucksvoll und mit empirischen Methoden nach, wie selbst eine Entscheidung, die wir für gewöhnlich für eine höchst persönliche Angelegenheit halten, in hohem Maße unter dem Einfluss von gesellschaftlichen Faktoren steht.

Die Selbstmordrate variiert je nach Religion, sozialer Schicht, bis hin zum Wetter und der wirtschaftlichen Situation des Landes. Was heute fast wie eine Selbstverständlichkeit klingt, hat Durkheim 1897 erstmals systematisch nachgewiesen. Ich persönlich fand den Nachweis am beeindruckendsten, dass es in Kriegszeiten weniger Selbstmorde gab als zu Friedenszeiten – Durkheim führte dies auf einen verstärkten sozialen, nationalen Zusammenhalt zurück. Berühmt geworden ist aus diesem Werk auch seine Klassifizierung von egoistischem, anomischen, altruistischen und fatalistischen Selbstmord, sowie das Konzept der Anomie, das er hier eingeführt hat.

Schon früh fing ich das Durkheim-Feuer und beschäftigte mich bald mit seiner Religionssoziologie, las über seine Interpretation der Totem-Religionen Australiens, einem Land, das er nie betreten hatte. Durkheim legte hier die Grundlagen einer funktionalistische Lesart von Religion, die bis heute eine Herausforderung für jeden Theologiestudenten darstellt.

Für aktuelle Diskurse besonders interessant ist Durkheims Werk über die Soziale Arbeitsteilung aus dem Jahr 1893. Der große Denker beschrieb, wie sich unter den Bedingungen zunehmender Arbeitsteilung auch ein stärkerer Individualismus herausbildete. Dabei kam es, so Durkheim, zu einer paradoxen Situation: Denn einerseits führte die Ausdifferenzierung und Spezialisierung zu immer individuelleren Lebensbereichen und förderte individualistische Persönlichkeitmerkmale. Andererseits war der Einzelne immer stärker von den Anderen und deren ausdifferenzierten Arbeitsleistungen abhängig. Freisetzungsprozesse einerseits, neue Abhängigkeiten andererseits – der geneigte Leser soll selbst entscheiden, wer tatsächlich als geistiger Vater der aktuellen Individualisierungsdiskussion gelten darf!

Dieses kleine Artikelchen kann die großen Verdienste dieses großen Soziologen nur anschneiden und keineswegs ausreichend würdigen. Ich verweise daher auf den guten Artikel in Wikipedia mit weitergehenden Literaturverweisen und das Emile Durkheim Archive, einer Seite, die sich dem Altmeister gewidmet hat, seine Schlüsselkonzepte vorstellt und reichlich mit Durkheim-Zitaten würzt (englischsprachig). Um weitere Links zu interessanten Durkheim-Seiten wäre ich sehr dankbar.

Émile Durkheim starb am 15. November 1917 im Alter von 59 Jahren.

Bildquelle: Wikipedia

Georg Simmel zum Geburtstag

Posted by Martin Booker © 2008

Georg Simmel wäre in diesem Jahr 150 Jahre alt geworden. Zu diesem Anlass hat der Suhrkamp-Verlag zwei Bände mit gesammelten Aufsätzen des Soziologen aufgelegt. Eine sehr lesenswerte Rezension dazu habe ich soeben in der Frankfurter Allgemeinen gefunden. Jürgen Kaube schreibt nicht nur über Simmels Schwierigkeiten, zu gesellschaftlichen Banketts eingeladen zu werden, sondern vor allem über seine Rolle in der Soziologie und die enormen Schätze – teilweise noch unentdeckt – die er der Disziplin hinterlassen hat. Zitat:

“Hat schon einmal jemand etwas aus seiner sinnessoziologischen Beobachtung gemacht, dass es für Menschen viel leichter ist, gleichzeitig dasselbe zu hören als dasselbe zu sehen – “man vergleiche ein Museumspublikum mit einem Konzertpublikum” -, dass aber alle Menschen gleichzeitig den Himmel sehen können? Eine ganze Religionssoziologie steckt in diesem Satz. […] Oder nehmen wir eine Beobachtung aus der “Soziologie der Geselligkeit” wie die, dass die Damen unbefangen tief dekolletiert nur in großer Gesellschaft erscheinen können, aber nicht im persönlichen Zusammensein. Freiheit und Individualität sind nicht dasselbe, es gibt auch Freiheiten, die nur ergreift und genießt, wer sich damit nicht als Individuum engagiert fühlen muss.”

Daher auch der treffende Name des Artikels: Je größer die Party, desto tiefer das Dekolleté.


Willkommen! Auf dieser Seite verlassen Soziolog/inn/en den Elfenbeinturm und führen öffentliche Experimente mit soziologischen Gedanken, Konzepten und Sichtweisen durch.

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