Posts Tagged 'Emile Durkheim'

Soziologie-Fanshop öffnet die Pforten

Posted by Martin Booker

Ab sofort betreibt dieses Blog auch einen kleinen Fan-Shop von Soziologen für Soziologen. An den Start gehen wir mit einer Fußball-Elf aus Soziologen. In der Startaufstellung:

Im Tor:
1 Auguste Comte

Die beinharte Vierer-Abwehrkette:
2 Karl Marx
3 Pierre Bourdieu
4 Georg Simmel
5 Emile Durkheim

Das Mittelfeld verspricht Flair:
6 Max Weber (C)
7 Niklas Luhmann
8 Talcott Parsons
10 Michel Foucault

Im Sturm schließlich mit dem soziologischen Killerinstinkt:
9 Robert K. Merton
11 Erving Goffman

Die Trikots tragen jeweils die entsprechende Nummer auf dem Rücken und ein ausgesuchtes kleines Zitat auf der Brust. Zum Shop und zur Ansicht aller T-Shirts gehts mit diesem Link oder in der oberen Leiste auf dieser Seite.

Die Idee, Fußballshirts mit Soziologen anzubieten hatte ich übrigens von dem englischen Anbieter philosophyfootball.com, der T-Shirts mit vorwiegend philosophischen Motiven anbietet.

Und hier schließlich der berühmte Sketch von Monty Python, der hinter der Idee des Soziologen- bzw. Philosophen-Fußballs steckt:

Emile Durkheim zum 150. Geburtstag

Emile Durkheim / Wikipedia creative commons

Posted by Martin Booker

Bon anniversaire, Émile Durkheim! Der große Soziologe erblickte am 15. April 1858 das Licht der Welt und wäre heute 150 Jahre alt geworden. Mit seinen Regeln der soziologischen Methode, seinen Studien über die soziale Arbeitsteilung und die elementaren Formen religiösen Lebens legte er die Grundlagen für eine vornehmlich strukturalistisch-funktionalistische Soziologie, die etwa in den Werken Marcel Mauss’, Claude Levi Strauss’, Michel Foucault oder Pierre Bourdieu widerhallt. Talcott Parsons, Edward E. Evans-Pritchard, Anthony Giddens oder in Deutschland René König und Alphons Silbermann sahen und sehen sich ebenfalls in der Tradition des großen Denkers.

Meine erste Begegnung mit Durkheim war “der Selbstmord”, der im ersten Semester im Einführungskurs “Soziologische Theorie” zu den gelesenen Pflichttexten gehörte und der wohl beispielhaft ist für die Stärken der Durkheim’schen Soziologie. Er weist darin eindrucksvoll und mit empirischen Methoden nach, wie selbst eine Entscheidung, die wir für gewöhnlich für eine höchst persönliche Angelegenheit halten, in hohem Maße unter dem Einfluss von gesellschaftlichen Faktoren steht.

Die Selbstmordrate variiert je nach Religion, sozialer Schicht, bis hin zum Wetter und der wirtschaftlichen Situation des Landes. Was heute fast wie eine Selbstverständlichkeit klingt, hat Durkheim 1897 erstmals systematisch nachgewiesen. Ich persönlich fand den Nachweis am beeindruckendsten, dass es in Kriegszeiten weniger Selbstmorde gab als zu Friedenszeiten – Durkheim führte dies auf einen verstärkten sozialen, nationalen Zusammenhalt zurück. Berühmt geworden ist aus diesem Werk auch seine Klassifizierung von egoistischem, anomischen, altruistischen und fatalistischen Selbstmord, sowie das Konzept der Anomie, das er hier eingeführt hat.

Schon früh fing ich das Durkheim-Feuer und beschäftigte mich bald mit seiner Religionssoziologie, las über seine Interpretation der Totem-Religionen Australiens, einem Land, das er nie betreten hatte. Durkheim legte hier die Grundlagen einer funktionalistische Lesart von Religion, die bis heute eine Herausforderung für jeden Theologiestudenten darstellt.

Für aktuelle Diskurse besonders interessant ist Durkheims Werk über die Soziale Arbeitsteilung aus dem Jahr 1893. Der große Denker beschrieb, wie sich unter den Bedingungen zunehmender Arbeitsteilung auch ein stärkerer Individualismus herausbildete. Dabei kam es, so Durkheim, zu einer paradoxen Situation: Denn einerseits führte die Ausdifferenzierung und Spezialisierung zu immer individuelleren Lebensbereichen und förderte individualistische Persönlichkeitmerkmale. Andererseits war der Einzelne immer stärker von den Anderen und deren ausdifferenzierten Arbeitsleistungen abhängig. Freisetzungsprozesse einerseits, neue Abhängigkeiten andererseits – der geneigte Leser soll selbst entscheiden, wer tatsächlich als geistiger Vater der aktuellen Individualisierungsdiskussion gelten darf!

Dieses kleine Artikelchen kann die großen Verdienste dieses großen Soziologen nur anschneiden und keineswegs ausreichend würdigen. Ich verweise daher auf den guten Artikel in Wikipedia mit weitergehenden Literaturverweisen und das Emile Durkheim Archive, einer Seite, die sich dem Altmeister gewidmet hat, seine Schlüsselkonzepte vorstellt und reichlich mit Durkheim-Zitaten würzt (englischsprachig). Um weitere Links zu interessanten Durkheim-Seiten wäre ich sehr dankbar.

Émile Durkheim starb am 15. November 1917 im Alter von 59 Jahren.

Bildquelle: Wikipedia


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