Societas – quo vadis 2050?

“Soziologie 2050 – Wie sieht die Soziologie der Zukunft aus?” Unter diesem Motto haben wir unsere Leser befragt und zur Teilnahme an einem Aufsatzwettbewerb aufgerufen. Jeden Montag veröffentlichen wir nun einen der Beiträge. Diese Woche: Peter Müller zeichnet ein düsteres Bild einer Gesellschaft im Niedergang.

Riot

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Es steht nicht gut um unsere künftige Entwicklung. Bereits heute entstehende Konflikte werden sich zu unüberbrückbaren Kluften auftun, neue Konflikte werden die Situation verschärfen. Im Jahr 2050 werden die westlichen Industriegesellschaften auf eine Zereißprobe gestellt, ihr Fortbestand wird fragwürdig. Junge werden sich gegen Alte wenden, Migranten gegen Nicht-Migranten, Arme Regionen gegen reiche Regionen, Aktivisten gegen Passivisten. Wird unter diesen Bedingungen Frieden noch möglich sein? Wird unter diesen Bedingungen eine Soziologie noch möglich sein? Eine Elegie in sechs Akten.

1. Akt: Entvölkerung

Alle Prognosen gehen einhellig davon aus, dass Gesellschaften im sog. Westen schrumpfen werden. Alle bisherigen Versuche mittels finanzieller Anreize gegenzusteuern fruchteten bisher nicht. Das wird aller Voraussicht nach auch so bleiben, zu unfähig sind Politik und Gesellschaft, um Antworten auf dieses Problem zu finden. Biologische Faktoren verschärfen die Krise: Die zunehmend zu beobachtende Infertilität verstärkt den Trend.

Die eigentliche Triebkraft hinter der Entvölkerung ist jedoch eine radikale Werteverschiebung: Die zunehmende Verunsicherung des gewohnten Lebensrahmens, geänderte ökonomische Rahmenbedingungen und eine stetig schwindende Arbeitsplatzsicherheit führen zu zunehmendem Egoismus, Verantwortungslosigkeit gegenüber den nachkommenden Generationen und Konsumfixierung als Ersatz für den Wunsch nach Kindern.

Die Folgen sind eine immer schneller schwindende Wirtschaftskraft, die kontinuierliche Schwächung der Sozialsysteme, Entvölkerung ganzer Landstriche, vor allem im Osten Deutschlands. Dies geht einher mit sinkenden Einkommen und einem Rückgang der Arbeitsplätze aufgrund des schrumpfenden Binnenmarktes.

Wirtschaftlich starke Regionen wachsen dagegen weiter. Arbeitslose aus den strukturschwachen Gebieten wandern in die reicheren Regionen ab. Doch auch diese haben aufgrund der Zuwanderungen mit hoher Arbeitslosigkeit zu kämpfen. Das Einkommensgefälle zwischen den Regionen verschärft sich. Aber auch innerhalb der Gesellschaft insgesamt geht die Schere zwischen Arm und Reich auseinander. Die überlasteten Sozialsysteme können keinen wirksamen Ausgleich mehr schaffen.

Konsequenz: Starke regionale Cluster contra ausgedünnte, ärmere regionale Cluster, Arm gegen Reich.

2. Akt: Vergreisung

Bereits heute schlagen Demographen Alarm! Im Jahr 2050 wird Deutschland eine der ältesten Gesellschaften konstituieren, die je existiert haben. Dies zieht weitreichende Folgen mit sich: Die laufenden Gesundheitskosten steigern sich ins Unermessliche. Die durchschnittliche Risikobereitschaft der Gesellschaft sinkt, es wird immer weniger in die Zukunft investiert. Staatsaufgaben werden vor allem auf ‘defensive’ Aufgaben umgelenkt, in das Rentensystem, in Gesundheit und Pflege.

Die Alten stellen die Mehrheit der Bevölkerung, daher können sie auch den politischen Kurs der Demokratie bestimmen und die Verteilungskämpfe für sich entscheiden. Die Jungen jedoch fühlen sich doppelt betrogen: Einerseits hat ihre Eltern- und Großelterngeneration nicht für den Nachwuchs gesorgt, der zur Aufrechterhaltung der Systeme nötig gewesen wäre. Zum anderen wurden seit den 1990er Jahren Ausgaben massiv auf die Zukunft umgeschuldet.

Aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage fordern die Schuldner nun ihr Geld zurück. Viele der Jüngeren im Jahr 2050 sehen nicht mehr ein, warum sie sowohl für die gegenwärtige Versorgung der Rentner aufkommen sollen, als auch dafür, dass diese in der Vergangenheit über ihre Verhältnisse gelebt haben. Der Ruf nach Abschaffung der Demokratie wir laut. Die Gräben zwischen den Generationen laufen quer durch Familien.

3. Akt: Die Illusion von der Einwanderergesellschaft

Der Migrantenanteil in Deutschland beträgt im Jahr 2009 inklusive zweiter und dritter Einwanderergeneration bereits ca. 18 Prozent. Dies ist politisch gewollt, um nicht zuletzt dem Bevölkerungsrückgang entgegenzuwirken. Doch was zunächst als gute Idee erscheint, entpuppt sich zunehmend als Problem.

Halbherzige Integrationsbemühungen sowohl auf Seiten der Einheimischen wie auch der Hinzugezogenen lassen das Projekt Einwanderergesellschaft langsam, aber stetig aus dem Ruder laufen. Die in Ansätzen bereits vorhandene Ghettoisierung verschärft sich, eigenständige Subkulturen stabilisieren sich und geben dem Begriff ‘Parallelgesellschaften’ neue Dimensionen.

Aufgrund einer verfehlten Einwanderungspolitik gelingt es der Regierung nicht, die so benötigten hochqualifizierten und gebildeten Fachkräfte anzusiedeln. Vielmehr sind die Einwanderermilieus von Bildungsferne geprägt, und bleiben ihren Herkunftskulturen verhaftet. Nicht selten können sie mit westlichen Konzepten wie ‘Demokratie’ und ‘Rechtsstaat’ wenig anfangen. Die entstehenden Parallelgesellschaften produzieren Parallelökonomien und -rechtssprechungen, die sich der Kontrolle des Staates entziehen.

Migranten und Nicht-Migranten reden aneinander vorbei. Ausgeprägtes Misstrauen dominiert zunehmend das Verhältnis der verschiedenen Gruppierungen, die sich immer mehr in ihre eigenen Stadtteile zurückziehen und sich zunehmend voneinander abschotten. Rassistisch motivierte Gewaltverbrechen bringen in regelmäßigen Abständen die Stimmung zum Überkochen. Ausschreitungen und Plünderungen tun ihr Übriges, um die Fronten weiter zu verhärten. Nicht erst im Jahr 2050 werden die ersten Mauern gebaut, um einzelne Stadtteile vor anderen zu schützen.

4. Akt: Verfall und Ende der Wertegemeinschaft

Das alltägliche Leben der Menschen wird immer stärker von kommerziellen Medien bestimmt. Die Sozialisationsinstanzen Familie, Freundeskreis und Schule werden nach und nach durch ein undurchschaubares Geflecht von Werbung, Infotainment und selbsternannten Experten in Fernsehen, Internet und anderen Kommunikationsmedien ersetzt. Es kommt zu einer Einlullung des Individuums, das nicht mehr unterscheiden kann, welche Informationen verlässlich sind, und welche nicht.

Die so vermittelten Werte sind vor allem konsumptiver Natur und werden in trendmäßiger Beliebigkeit vorgegeben. Die Mehrheit der Bevölkerung ist im Jahre 2050 unmündig geworden, eine leicht zu manipulierende Manövriermasse kommerzieller und politischer Interessen.

Dies ist jedoch nicht nur eine Bedrohung für die Gesellschaft als Ganzes, sondern auch für die Gesundheit der Individuen. Entwurzelung, Haltlosigkeit und Vereinsamung sind die Symptome einer orientierungslosen Konsumentengesellschaft. Depressionen und andere psychische Krankheiten nehmen immer weiter zu. Nicht nur die Alten belasten nun das Gesundheitssystem, das unter der Last der Zivilisationskrankheiten zusammenzubrechen droht.

Eine Minderheit jedoch versucht, dieser Beliebigkeit Einhalt zu gebieten. Mit Zunahme der Probleme und ohne Hoffnung auf Wortäußerung in der gleichgeschalteten Medienlandschaft werden die selbsternannten Retter der Aufklärung immer radikaler. Die ersten Brandanschläge auf verantwortliche Medienhäuser lassen nicht lange auf sich warten. Doch auch Politiker, Bankenchefs und die ins Feld springenden, der demokratischen Kontrolle entzogene Quangos (quasi-autonomous non-governmental organisations) werden Zielscheibe radikaler Kritik und zunehmend physischer Gewalt.

Eine neue, radikale Konfliktlinie entsteht: Die Mehrheit der durch Konsumversprechen sedierten Passivbürger wird durch eine hochaktive Gruppierung von selbsternannten Aufklärern konfrontiert, die auch vor Gewaltakten nicht mehr zurückschrecken.

5. Akt: Das Versagen der Politik

Auch unter den sedierten Passivbürgern verliert die Demokratie an Legitimität. Da Politik angesichts der Herausforderungen immer komplexer wird, und die Medien nicht daran interessiert sind, dies zu vermitteln, tritt eine zunehmende Entfremdung der Bürger gegenüber der Politik ein. Sie wird immer mehr als abgehoben, lebensfern und als Selbstbeschäftigung selbsternannter Eliten wahrgenommen. Die Wahlbeteiligung liegt im Jahre 2050 bestenfalls noch bei 50 Prozent, Zynismus und Desinteresse bestimmen die politische Kultur.

Die zunehmend privatisierten Konsumbürger lehnen den Staat ab. Politik jedweder Art wird als lästige Einmischung in die geheiligte Privatsphäre, und in das Streben des Einzelnen nach privatem Wohlstand und Konsummöglichkeiten angesehen. Wer kann, zahlt keine Steuern mehr. Und wer nicht kann, versucht, den Staat bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu überlisten. Das Verhältnis zwischen Bürgern, die ihren Besitzstand wahren wollen, und Staat, der seine Steuern eintreiben will, wird zunehmend aggressiver. Bis zum Jahre 2050 sind deshalb tätliche Übergriffe auf Staatsbeamte bereits an der Tagesordnung.

Anstatt wichtige strategische Entscheidungen zu treffen, kann Politik nur noch Schadensbegrenzung leisten. Zu sehr ist sie gefangen in dem Bemühen, die politischen Systeme durch die Einnahme von Steuern überhaupt in Gang zu halten. Entsprechend limitiert sind die Möglichkeiten, auf die Probleme der Entvölkerung, Vergreisung, Desintegration und Entfremdung zu reagieren. Ohne politische Steuerung treibt die Gesellschaft ihrem Ende entgegen.

6. Akt: Wo willst Du stehen?

Arme Regionen gegen reiche Regionen, Alt gegen Jung, Migranten gegen Nicht-Migranten, Konsumenten gegen Aufklärer, Arm gegen Reich, Privatisten gegen den Staat – Wo steht hier die Soziologie? Nein, besser, wo willst Du in 40 Jahren stehen?

Bei den starken, regionalen Clustern? Bei den Jungen in der Gesellschaft (sofern hier eine Wahlmöglichkeit besteht), den Nicht-Immigranten, den Gesunden, den Reichen? Bei den informierten, engagierten Aufklärern? Wirst Du Steine werfen und zu den Waffen greifen, um die Demokratie zu verteidigen? Oder um dir die Steuerbehörden vom Hals zu halten? Wirst Du den Weg des geringsten Widerstandes wählen, und zum Musterkonsumenten werden? Oder wirst Du dich unbeliebt machen als anstrengender Ermahner und Kritiker deiner Zeitgenossen?

Eine Soziologie wird es im Jahr 2050 nicht mehr geben. Denn wer sollte daran interessiert sein, diese zu finanzieren? Der ausgetrocknete Staat kämpft ums Überleben und hat andere Probleme. Privatkapital wird eingesetzt, um den eigenen Reichtum zu verteidigen, nicht, um ihn in Frage zu stellen.

Es ist Deine Wahl!

Peter J. Müller | Jahrgang 1943 | studiert in Regensburg Soziologie, Philosophie und Politikwissenschaften

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8 Responses to “Societas – quo vadis 2050?”


  1. 1 Soziobloge 14. July 2009 at 14:41

    Nunja, so schwarz würde ich da nicht sehen. Das mit den Alten ist nur ein temporäres Problem, bis die Bevölkerungspyramide, bzw. dann Bevölkerungspilz zu einem Bevölkerungsschlauch geworden ist.

    Die Frage wäre eher nicht, wo man stehen will, sondern, schafft die Bevölkerung sich von den Politikern so weit zu lösen, dass sie ihr Schicksal selbst in die Hand nimmt und die künstlich geschaffenen Konflikte einfach auflöst. Das liegt dann an den jüngeren, denn die sorgen ja bekanntlich für Erneuerung. Und die ist angesichts der Umstände, die auf uns zukommen dringend notwendig, wenn es nicht so enden soll wie in dem Artikel befürchtet.

    • 2 Peter J. Müller 14. July 2009 at 18:11

      Antwort zu Soziobloge vom 14.7.2009

      O.K.! Ich wollte durch diesen Artikel auch provozieren.Und natürlich habe ich altersbedingt einen anderen Blick auf die Gesellschaft (Frage: War das nicht
      schon immer so?).
      Doch nein. So einfach will ich das nicht abtun.Die von mir aufgestellten Thesen sind durch viele Fakten untermauert, die ich aus Platzgrünen natürlich nicht alle aufführen konnte. Die Zwangshaftigkeit dieser Thesen ist für mich leider unumkehrbar. Einfach den Faktor “Hoffnung” bzw. “Glaube in die Erneuerungskraft er Jugend” dagegen zu setzen, ist mir einfach zu wenig.

      Glaube mir: auch ich würde mir die Zukunft sehr gerne viel positiver wünschen. Vielleicht brauchen wir jedoch auch das von mir prognostizierte Tief, um uns wieder zu erneuern (These-Antithese-Synthese…).

      Eines noch: woher nimmst du eigentlich deinen Optimismus
      für die Entwicklung eines zukünftigen “Bevölkerungs-
      schlauchs” und über welchen Zeitraum denkst du dabei nach? Bis zum Jahre 2050 ist das demographisch auf jeden Fall vollkommen ausgeschlossen.

  2. 3 Laser 15. July 2009 at 17:16

    Nunja, der Text unterscheidet sich zunächst einmal sehr von den anderen veröffentlichten Essays – schlecht geschrieben ist er natürlich auch keineswegs.

    Mir persöhnlich gefällt er jedoch nicht, v.a. weil der ganze Aufsatz als krasse Dystopie (oder nennt man es eher Anti-Utopie? Ist ja auch egal) auftritt. Als Pendant zu 1984 ist das super, aber an Soziologen ausgerichtet? Ich bin mir nicht sicher. Eins ist nur sicher dabei, Dystopien sind sehr unwarscheinlich – ebenso unwarscheinlich wie ein “Verschwinden” der Soziologie.

    Im Grunde werden Probleme, die sich unter heutigen Gesichtspunkten später einmal als problematisch erweisen könnten, auf schlimmstmögliche Art und Weise weiter gedacht. Schade ist hierbei, dass gesellschaftliche Meisterleistungen aller Art (welche die Soziologie stets untersucht/entdeckt) überhaupt nicht in Frage kommen.

    Am meisten fehlt mir jegliche Konvergenz, eine Synthese, also eine Annäherung gegensätzlicher Positionen (in dem Text wären dies u.a. Junge/Alte). Natürlich lässt sich keine solche Annäherung beschreiben, geschweige denn vorraussehen, aber systematisch jede (definitiv nötige) Anpassung an Probleme auszuschließen halte ich für übertrieben.

    Na ja, wenn in einem Jahr ein Film namens “Societas – quo vadis 2050?” erscheint, schaue ich mir ihn trotzdem an :).
    Anregend ist der Text auf jeden Fall, ungeachtet meiner Kritik..

  3. 4 Soziobloge 15. July 2009 at 21:36

    Man sagt mir zwar manchmal nach, ich sei Pessimist, aber degal ;-). Meinen Optimismus in der Sache nehme ich daraus, dass es bisher nie so schlimm kam, dass alles zu Ende war. Selbst aus der größten Katastrophe ist immer etwas neues entstanden. Manchmal sogar etwas besseres. Und gerade in schwierigen Zeiten brauchen wir die Soziologie, damit sich scheinbar offentsichtliche Sachverhalte nicht unhinterfragt ausbreiten können. Wobei daran leider mehr die Politiker schuld sind, die das ja gerne nutzen für ihre Zwecke.

    Ich bin ja auch nicht mehr ganz jung und hab den Kalten Krieg und sein Ende noch bewusst miterlebt. Vielleicht kommt daher die “Hoffnung”, das sich etwas ändern kann.

    Ich bin kein Utopist der sagt, das alles gut wird. Aber ich sage, das alles anders wird und auch meist anders als man denkt. Schauen wir mal. 🙂

    • 5 Peter J. Müller 16. July 2009 at 14:35

      Antwort an Soziobloge vom 15.7.2009

      Irgendwie “lästig” ist meim Text schon. Und die Thesen wollen so gar nicht in einen ungetörten Alltag passen.
      Das Üble dabei ist, daß die dargestellten Grundannahmen
      (Alters- und Bevölkerungsentwicklung, Ökonomie etc.) genau dieselbe Unerbittlichkeit haben wie Naturgesetze.
      Nur wollen wir uns das nicht immer eingestehen.
      Die Schlußfolgerungen daraus sind jedoch zugegebenermaßen
      strittig.

      Ohne Umdenken in unserer Gesellschaft, und dazu möchte ich aufrufen, wird sich jedoch nichts ändern. Der Faktor Hoffnung ist dafür sicher zu wenig.

      Das fängt beim Konsumenten an (immer nur das billigste?, immer nur das neueste?, immer mehr und mehr?), es geht über die Erziehung (“richtige” Vorbilder, Werte etc. )
      und geht auch über das Verhältnis zur Religion bzw. zum Glauben, um nur ganz wenige Ansatzpunkte zu nennen.

  4. 6 Peter J. Müller 16. July 2009 at 14:14

    Antwort an Laser

    Ja genau: so eine Reaktion gefällt mir besonders und war auch gewollt. Vielen Dank dafür. Das bestärkt mich im nachhinein noch einmal in der provokanten Ausformulierung meiner Thesen.

    Ja: aufrütteln wollte ich. Aber nicht nur.
    Frage: Wo bleibt eigentlich die Antwort der Soziologie
    auf die dringenden gesellschaftlichen Probleme unserer Zeit? So wie ich das sehe, bleibt sie meist im “Elfenbeinturm” und beschäftigt sich nur mit sich selbst. Ökonomen melden sich öffentlich zu Wort. Auch Politikwissenschaftler. Aber bitte: wo bleiben die
    Soziologen mit ihren Antworten bzw. Visionen?
    Dafür will ich auch werben und Mut machen.

    Willst du nicht selbst einer dieser Visionäre werden?
    Und sei es auch nur im kleinen Bereich, denn so fängt meistens alles an.

  5. 7 Soziobloge 16. July 2009 at 16:06

    Antwort an Peter J. Müller

    Ja da bin ich ganz deiner Meinung, dass wir da umdenken müssen. Das kann aber eigentlich nur durch Sozialisation erfolgen, wenn es nachhaltig sein soll. Da sehe ich wiederum das Problem, dass Sozialisation in Form der Erziehung, ja immer eine Anpassung an die Gesellschaft sein soll. Wie die Gesellschaft ist, hängt aber von der Sichtweise des Erziehenden ab. Daher auch die verschiedenen Einstellungenin den Verschiedenen Schichten (siehe Bourdieu). Die andere Möglichkeit des sehr schnellen gesellschaftlichen Lernens ist die der Katastrophe.

    Die Frage was Soziologie ist und will und vor allem kann, ist natürlich eine vieldiskutierte Frage, die ja auch Sinn dieser Reihe ist. Wenn ich mir allerdings die Ignoeranz der Politiker gegenüber Ergebnissen, die ihnen nicht ins Konzept passen ansehe, hab ich da wenig Hoffnung auf einen Einfluss. Die einzige Lösung die ich sehe, wäre eine eigene “PR-Stelle”, die soziologische Forschung publiziert. Diese müsste aber auf jeden Fall unabhängig sein und nicht als politisches Instrument von gewissen Leuten die auch gerne mal ein Ergebnis präsentieren missbraucht werden können.

    • 8 Peter J. Müller 16. July 2009 at 18:42

      Antwort an Sozioblog

      Ich bin voll bei dir, wenn du den Ansatz in einer “neuen” Sozialisation suchst.
      Wie findet man den geänderten Schlüssel dazu?
      Einen einfachen “Schlüssel” gibt es wohl nicht.
      Denn, so wie die jetzige, von Vielen beklagte gesellschaftliche Situation sich erst langsam und schleichend, und dann erst immer schneller entwickelte, so wird eine Umkehr, so sie denn gewollt wird, auch erst
      sehr sehr schleppend beginnen, weil sie sich erst gegen alle retardierenden Elemente durchsetzen muß.

      Aber wie war das? Jeder Anfang beginnt mit dem ersten Schritt….
      Ermutigend ist schon ein Portal wie das vorliegende
      (Homo Sociologicus). Ich wünsche diesem Ansatz viel Erfolg und auch immer mehr breite Unterstützung. Die Hoffnung ist, damit immer mehr Gleichgesinnte zu finden,
      um damit mit einem Umdenken zu beginnen. Was der Einzelne nicht vermag, die Gruppe kann schon mehr
      bewirken und die daraus möglicherweise entstehende Bewegung kann die Umkehr bringen. Auch der größte Fluß beginnt zunächst mit einer kleinen Quelle.
      Man muß nur wollen……


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