Archiv der Kategorie 'Video'

Manuel Castells im Gespräch - Was ist und welche Folgen hat die Netzwerkgesellschaft?

von Martin Booker

Der spanischstämmige Soziologe Manuel Castells [Home, Wiki] ist vor allem durch sein Standardwerk “Das Informationszeitalter” (in drei Bänden) berühmt geworden. Ende der 1990er Jahre versuchte er, die neuesten Entwicklungen in der Netzwerkgesellschaft zu kartographieren und die Folgen für Gesellschaft, Politik und Wirtschaft einzuschätzen. weiterlesen ‘Manuel Castells im Gespräch - Was ist und welche Folgen hat die Netzwerkgesellschaft?’

Enthüllt: Monster frisst Zeit

von Martin Booker

Der größte Feind des Akademikers ist wohl ohne Zweifel… die Zeit. Ständig rinnt sie uns durch die Finger, läuft uns davon, tritt uns in Form von Terminen und Deadlines auf die Füße. Vergangene Woche hat das Corpus Christi College in Cambridge eine exzentrische neue Uhr - zum Preis von 1 Mio. Britischen Pfund (1,3 Mio. Euro) - enthüllt, und will damit an die Flüchtigkeit der Zeit erinnern. weiterlesen ‘Enthüllt: Monster frisst Zeit’

Zur Anthropologie von YouTube

Posted by Martin Booker

Ein wirklich sehenswertes Video zur Anthropologie von YouTube hat die Seite rebell.tv ausgegraben. Der Anthropologe Michael Wesch von der Kansas State University erklärt in 55 äußerst unterhaltsamen und informativen Minuten das Phänomen YouTube aus anthropologischer Sicht. Wer nutzt die populäre Videoplattform? Warum? Und inwiefern entstehen in den Weiten des Web 2.0 neue, weltweite YouTube-communities? Wer sich für diese Fragen interessiert, sollte sich die Zeit nehmen. Es lohnt sich!

Dieser Link führt zu dem Video auf YouTube (mit Vollbildfunktion)

Im Film: Gesellschaft als Ameisenhaufen

Posted by Martin Booker

Wie lässt sich das abstrakte Thema “Gesellschaft” am besten visualisieren? Während Literaten oder Filmemacher auf ihre Erzählkunst, auf Phantasie und Vorstellungskraft zurückgreifen können, muss sich der gemeine Wissenschaftler mit nackten Zahlen, drögen Statistiken und vielleicht einmal ein paar mehr oder weniger schönen Grafiken begnügen. Aber filmisch darstellen?

Die BBC hat für eine neue Doku-Serie “Britain seen from above” neue Möglichkeiten gefunden, sozialgeographische Themen filmisch darzustellen. Ob der Schiffsverkehr im Ärmelkanal, die Taxirouten in der Londonder Innenstadt, der nationale Flugverkehr oder die Aktivität von Telefongesprächen - mit Hilfe von GPS-Daten zeigen die animierten Landkarten der BBC den Ameisenhaufen “Gesellschaft”. In diesem Trailer sieht das jedenfalls ganz eindrucksvoll aus.

Die protestantische Ethik und die sexuelle Revolution

Posted by Martin Booker

Martin LutherDass die protestantische Ethik ein wichtiger Antriebsmotor des Kapitalismus war und ist, hat einst Max Weber in seiner berühmten Studie eindrucksvoll gezeigt. Dass dies z.B. auch für die moderne Wissenschaft gilt, hat Robert K Merton in seiner Dissertation über “Science, Technology and Society in Seventeenth Century England” dargelegt.

Was jedoch hat die protestantische Ethik mit der sexuellen Revolution zu tun? Der Historiker Tristram Hunt zeigt in einer vierteiligen BBC-Dokumentation die Auswirkungen des Protestantismus auf die moderne Welt. Der zweite Teil kümmert sich genau um obige Frage und verfolgt protestantische Ideen und deren Einfluss auf die Art und Weise, wie Sexualität gesehen wird, über die Jahrhunderte. Von der Absage an das Zölibat durch Martin Luther über die diversen Umdeutungen der Ehe, bis hin zu den sog. 68ern, zu kirchlich unterstützten Homo-Ehen und schwulen Bischöfen - immer waren es Protestanten, die die sexuelle Revolution (mit) vorantrieben und protestantische Ideen der Befreiung, welche die entsprechende ideologische Grundlage boten - so zumindest die These Hunts.

Wie ich finde ist dies ein weiteres gutes Beispiel dafür, wie Wissenschaft anschaulich gemacht werden kann. Der Film greift insofern über herkömmliche Dokumentationsformate hinaus, als er nicht nur darstellt wie sich die Dinge entwickelt haben, sondern auch - wie ernsthafte Geschichtwissenschaft dies tun sollte - dem warum nachgeht und die Kausalitäten zu erforschen sucht.

Tristram Hunt (Wikipedia-Artikel >>) ist übrigens Lektor an der Queen Mary University of London (Homepage >>) und hat schon desöfteren an der Erstellung historischer Dokumentationen mitgewirkt.

Zum Video auf googlevideos geht es mit diesem Link. Dank gebührt an dieser Stelle mal wieder der Free University in Internet für die Bereitstellung des Videos.

What is Sociology?

Posted by Martin Booker

What exactly is sociology? Great thinkers have written books trying to answer this question and any student of sociology sooner or later develops his/her own method of explaining it to all those friends who have never heard of the subject. Here is a little video I found where Grant MacEwan College (Edmonton, Alberta, Canada) aims to recruit students for their sociology majors, explaining what it is about and what you can do with it. Sociology in a nutshell of 3:25mins:

Gender und Rassismus in einer Kollektion - Ein soziologisches Muss für Connaisseurs und Connaisseusen

Posted by Stefan Spiess

Pearl Buck war die vierte Frau, die den Literaturnobelpreis erhielt. Diese Entscheidung war nicht ganz unumstritten. In einer Sammlung von Interviews mit Mike Wallace findet man ein Interview von 1958, was zwanzig Jahre nach ihrem Nobelpreis 1938 ist. Das Thema ist ein soziologisches, was in dem Interview auch gut rauskommt - man spricht über die Frauen in den USA, wie Mike Wallace eingangs sagt “at home, at work, and in love”. [Link zum Film] Nun ist das heute nicht der Jahrestag des Interviews, aber leider bin ich vor heute eben nicht darauf aufmerksam geworden. Wieder einmal geht mein Dank an das Team von Telepolis, das immer wieder auf interessante Dinge im Web aufmerksam macht, die man sonst möglicherweise gar nicht finden würde (In diesem Falle Harald Taglinger.) Das Video findet man hier.

Außerdem cool für den Soziologen: Der damalige “Imperial Wizard” des KKK erklärt die Südstaaten. Damit sind in dieser Sammlung zwei großartige Schlachtfelder der Sozialwissenschaftler interessant dokumentiert. War mir eine Meldung wert. (Gibt da aber auch noch weitere interessante Videos mit interessanten Leuten.)

Ralf Dahrendorf zum Geburtstag

Posted by Martin Booker

Herzlichen Glückwunsch und Happy Birthday von unserer Seite an Ralf Dahrendorf. Der engagierte Wissenschaftler wurde am 1. Mai 1929 geboren und wird heute 79 Jahre alt. Es wäre müßig, all seine Verdienste und alle Stationen seines Lebens an dieser Stelle aufzuführen. Doch wer kann schon von sich behaupten, Mitglied des Deutschen Bundestages, Staatssekretär im Auswärtigen Amt, EG-Kommissar, Direktor der London School of Economics and Political Science, Mitbegründer der Universität Konstanz und als Baron Dahrendorf of Clare Market Mitglied des britischen Oberhauses gewesen zu sein bzw. immer noch zu sein? Ach ja, mit 16 Jahren hat er sich mit dem Nazi-Regime angelegt und ein sehr geachteter Soziologe ist er natürlich auch, der Baron! Er hat uns das Dahrendorf-Häuschen beschert, Wege aus Utopia gewiesen und nicht zuletzt das Konzept des homo sociologicus nahe gebracht.

Mehr über Dahrendorf z.B. in diesem Wikipedia-Artikel (mit zahlreichen Links). In diesem taz-Interview aus dem April 2008 spricht er über die 68er, die 72er und warum es soziologisch gesehen am besten wäre, wenn Deutschland bei der EM im Sommer bereits in der Vorrunde ausscheidet. In diesem ZEIT-Interview von 2005 spricht er über Deutsche Illusionen. Eine kleine Sammlung von kurzen Essays des umtriebigen Liberalen gibt es auf dieser Seite.

Für eingefleischte Fans und solche, die es werden wollen gibt es schließlich ein etwas älteres, aber äußerst einsichtsreiches 50-minütiges Video-Interview im Rahmen der Berkeley Conversations with History. Dahrendorf ist zur Zeit Forschungsprofessor am Wissenschaftskolleg Berlin und Vorsitzender der Zukunftskommission des Landes Nordrhein-Westfalen.

Ralf Dahrendorf, alles Gute zum Geburtstag und hoffentlich viele weitere produktive Jahre!

Shakespeare versus Bacon - Ein Enthüllungsvideo der Wissenschaftlergruppe “Whitest Kids U Know”

Francis Bacon ist zugleich Vordenker und Rätsel der Wissenssoziologie. War er der Urheber von Shakespeares Werken? War er ein Kopist seines sehr viel früher lebenden Namensvetters Roger Bacon (Francis’ Idola sind nahezu deckungsgleich mit Roger’s offendicula)? Martin hat heute seine Reihe über Wissenssoziologie eingeleutet, ein guter Zeitpunkt, einen der Vorreiter mal etwas genauer unter die analytische Lupe zu nehmen. Zunächst einmal allerdings (während ich meine Materialien zu Sir Francis Bacon, Lord Keeper of the Seal und späterer Lord Chancellor seiner Majestät zusammenkrame…) ein erstaunlicher Film, der bereits einige hinweise zur Lösung der Shakespeare/Bacon-Frage geben könnte…

Soziologie-Fanshop öffnet die Pforten

Posted by Martin Booker

Ab sofort betreibt dieses Blog auch einen kleinen Fan-Shop von Soziologen für Soziologen. An den Start gehen wir mit einer Fußball-Elf aus Soziologen. In der Startaufstellung:

Im Tor:
1 Auguste Comte

Die beinharte Vierer-Abwehrkette:
2 Karl Marx
3 Pierre Bourdieu
4 Georg Simmel
5 Emile Durkheim

Das Mittelfeld verspricht Flair:
6 Max Weber
7 Niklas Luhmann
8 Talcott Parsons
10 Michel Foucault

Im Sturm schließlich mit dem soziologischen Killerinstinkt:
9 Robert K. Merton
11 Erving Goffman

Die Trikots tragen jeweils die entsprechende Nummer auf dem Rücken und ein ausgesuchtes kleines Zitat auf der Brust. Zum Shop und zur Ansicht aller T-Shirts gehts mit diesem Link oder in der oberen Leiste auf dieser Seite. In den kommenden Wochen werde ich an dieser Stelle die einzelnen Spieler noch etwas genauer vorstellen.

Die Idee, Fußballshirts mit Soziologen anzubieten hatte ich übrigens von dem englischen Anbieter philosophyfootball.com (credit where credit is due), der T-Shirts mit vorwiegend philosophischen Motiven anbietet.

Und hier schließlich der berühmte Sketch von Monty Python, der hinter der Idee des Soziologen- bzw. Philosophen-Fußballs steckt (in zwei Teilen). Herrlich, wie Marx kurz vor seiner Einwechslung noch sein Manifest auf die Bank wirft!

Flashmobs - die Krisenexperimente des Web 2.0

Society is an insane asylum run by the inmates.

Erving Goffman

Schade, dass Erving Goffman das Zeitalter der Flashmobs nicht mehr miterleben durfte, er hätte wohl seine wahre Freude daran gehabt! Ein Flashmob bezeichnet einen scheinbar spontanen, meist über Internet und/oder per SMS organisierten Menschenauflauf, der auf ein Signal hin eine nach geltenden Normen ungewöhnliche Aktion durchführt. So fangen die Teilnehmer etwa plötzlich an zu tanzen (mit oder ohne Musik), erstarren für mehrere Minuten in ihren Bewegungen oder kaufen zum selben Zeitpunkt im selben Geschäft dasselbe Produkt (so etwa die berühmt gewordenen 10.355 Hamburger in einem Berliner Schnellrastaurant).

Sinn dieser Aktionen? Meistens keiner. Als Erfinder der Flashmobs gilt der New Yorker Journalist Bill Wasik. Am 3. Juni 2003 versammelten sich “mehr als Hundert Teilnehmer in einem Kaufhaus um einen Teppich. Den Kaufhaus-Mitarbeitern teilten sie mit, dass sie einen „Liebes-Teppich“ suchten und Kaufentscheidungen grundsätzlich gemeinsam träfen. Danach versammelte sich eine noch größere Gruppe in einer Hotel-Lobby und applaudierte exakt 15 Sekunden, schließlich strömten die Teilnehmer in ein Schuhgeschäft und gaben sich dort als Touristen aus. Bill Wasik hat in einem Artikel im März 2006 bekundet, seine Absicht sei gewesen, hippe Leute vorzuführen, die in einer Atmosphäre der Konformität nur danach strebten, Teil der „nächsten großen Sache“ zu werden, egal, wie sinnfrei diese sei.” (Zitat aus dem Wikipedia Artikel “Flashmob”.)

Goffman hätte wohl besonders die Verletzung der Interaktionsordnung interessiert. Die geltenden Normen werden für kurze Zeit ausser Kraft gesetzt und unbeteiligte Passanten wissen nicht, wie sie darauf reagieren sollen. In diesem Video etwa treffen sich die Teilnehmer des Flashmob in einem Supermarkt in Manchester und, auf ein Geräuschsignal hin, erstarren in ihren Bewegungen, wie sie gerade stehen. Wenig bedrohlich - die meisten unbeteiligten Passanten tun so, als wäre nichts besonderes (sehr britisch, nehme ich an). In jedem Fall eine skurrille Szene: Ist die Zeit stehengeblieben?

Heute lief die Meldung von einer ersten Verhaftung über die Newsticker. Ein Flashmob hatte sich am Thomas Jefferson Memorial in Washington versammelt und wollte den Geburtstag des Verfassungsvaters feiern. Die Beteiligten - mit IPod am Ohr und jeweils eigenem Soundtrack - tanzten in aller Stille in den feierlichen Hallen des Memorials. Wie reagiert man auf diesen unerwarteten Bruch der geltenden Interaktionsordnung? Die Sicherheitsbeamten sind mit der Situation offensichtlich überfordert und reagieren mit der Verhaftung einer der friedlichen Flashmobberinnen. Sehr zum Unmut der Beteiligten natürlich (Warning: strong language):

Das Ganze erinnert stark an die sog. Krisenexperimente von Garfinkel, Goffman & Co. Durch ein übertriebenes Einhalten oder eine offensichtliche Verletzung von geltenden Normen woll(t)en v.a. Enthnomethodologen und Symbolische Interaktionisten die Handlungsnormen zum Vorschein bringen, denen wir im Alltag routinemäßig folgen ohne darüber nachzudenken.

Die Organisatoren von Flashmobs haben zwar wohl nur selten diese sozialwissenschaftliche Motivation, dennoch zeigen die Aktionen - manche mehr, manche weniger - genau diese Normenordnungen auf und halten ihr den Spiegel vor. Und weil das Web 2.0 alles so leicht macht und neue Medien so billig sind, können die Ergebnisse in kürzester Zeit für alle zugänglich auf YouTube u.ä. veröffentlicht werden. Würde Goffman noch unter uns weilen, er würde höchstwahrscheinlich viel Zeit im Internet verbringen!

Martin Booker © 2008

Chinas Umweltkatastrophe: Von den Krebsdörfern an den Ufern des Huai

Posted by Martin Booker

Fünf der zehn am stärksten verschmutzten Städte der Welt liegen in China. An verseuchten Flussläufen sind “Krebs-Dörfer” entstanden, in denen ganze Familien seuchenartig von Krebserkrankungen dahingerafft werden. China exportiert sauren Regen nach Korea und Japan, verschmutze Luft nach Kanada und verseuchte Flüsse nach Indien. Ein Drittel der Weltbevölkerung bezieht Wasser aus chinesischen Chemie-Flüssen. Dies behauptet zumindest der dritte Teil der BBC-Serie über China.

Der Film zeigt eine Umweltkatastrophe erheblichen Ausmaßes. Mit einem soziologischen Gespür für Machtverhältnisse, Diskurshoheiten, die geltende Gesetzeslage und Gesetzesrealität, schildert die Dokumentation die prekäre Lage. Wie konnten die Notlagen entstehen und warum ist es so schwierig, die Umweltprobleme zu überwinden? Das Team der BBC interviewt Umweltaktivisten, Offizielle der Partei und Wissenschaftler, die sich mit der Problematik auseinandersetzen. Wie auch die anderen drei Teile der Dokumentationsreihe (siehe Kategorie “China”) eine sehr gelungener Bericht mit einem Gespür für die (soziologisch) relevanten Fragen.

1 Stunde, gut verständliches Englisch. Zu dem Video auf googlevideos geht es mit diesem Link.

Alle vier Videos und über 400 Dokumentationen mehr finden sich auch auf der Seite free university in internet.

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