Posted by Martin Booker
Eines vorweg: Puristen mögen mir den wenig differenzierten Umgang mit dem Begriff “Moderne” verzeihen. Für diesen Artikel halte ich die praktizierte Art und Weise aber für ausreichend. Mehr zum Thema Moderne in diesem guten Wikipedia-Artikel.
Die Moderne ist vor allem eine nordeuropäische Unternehmung, streng genommen könnte man vielleicht sogar von einem anglo-amerkanischen Projekt sprechen. Dort bildeten sich jene Strukturmerkmale zuerst heraus, die wir heute gerne unter dem Begriff “Moderne” zusammenfassen: Demokratie, Freiheitsrechte, freie Marktwirtschaft, die Gleichheit vor dem Gesetz. Während sich die französichen Revolutionäre “Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit” auf die Fahnen schrieben (aber den eigenen Ansprüchen keineswegs gerecht wurden), waren diese Prinzipien in Großbritannien und v.a. den jungen USA bereits in gewissem Umfang Realität. So zumindest die Beobachtung einer Reihe von französischen Intellektuellen von Tocqueville bis Baudrillard.
Heute hat sich diese angelsächsische Version der Moderne in vielen Staaten der Welt mehr oder weniger durchgesetzt. Insbesondere das weltumspannende britische Empire, zwei gewonnene Weltkriege und der Konformitätsdruck im Westblock des Kalten Krieges beschleunigten diesen Prozess. Wo liegt jedoch der Unterschied zwischen einer Moderne, die evolutionär im Laufe von Jahrhunderten gewachsen ist und einer Moderne, die importiert wurde und auf eine andere und anders gewachsene Kultur aufbauen muss? weiterlesen ‘Moderne vs. Mafia - eine funktionalistische Sichtweise: Die Moderne als Importware’
