Newsticker Soziologie - Rating Soziologie in Deutschland durch den Wissenschaftsrat

Posted by Stefan Spiess

Juppie! Es wurde wieder gerankt. Eigentlich sagt man in diesem Falle “Rating”, weil der Veröffentlicher der Studie, der deutsche Wissenschaftsrat, die Liste für den Verbraucher nicht vorsortiert hat. Gerated wurden die Soziologie und die Chemie. Dieser Artikel versucht, ein wenig in die Problematik von Ratings in den Sozialwissenschaften einzuführen. In gewissem Maße gelten alle genannten Probleme natürlich auch für die Naturwissenschaften, jedoch sind sie hier nicht so leicht und salopp darstellbar, weshalb hier der Fokus auf dem Rating als eine “Soziologie der Soziologie” liegt. (Hierzu zwei interessante Artikel in der FAZ [1], [2])

Wir wollen hier ja wie immer knapp sein, und darum empfehle ich wieder einmal nur eine Reihenfolge von drei kurzen Artikeln, die man sich als soziologischer Laie anschauen kann, um einen Eindruck der soziologischen perspektive zu erhalten. (Trotz aller Kritik, die Wikipedia gibt manchmal schon einiges her…)

Und dabei sei darauf aufmerksam gemacht: Reputation ist ein Ergebnis von Moden und Stilen, von herrschenden Machtverhältnissen und nicht zuletzt von geschicktem Marketing. Darunter nun leiden ja die sozialwissenschaften allgemein mehr als etwa die Mathematik: Es sind in ihrer Natur diskursive Wissenschaften, die erklären und nicht nur beschreiben, auch wenn ihnen das oft vorgeworfen wird. Dabei ist folgender Unterschied kritisch:

  • Wenn man beschreibt, was in einem einfachen chimischen Prozess geschieht (Schütte ich Chemikalie A 100 mal in Chemikalie B, dann macht es 99 mal Bumm.), dann kann sich da jeder was drunter vorstellen. Durch ein hochgradig standardisiertes Begriffssystem sind moderne Naturwissenschaften häufig in vielen Bereichen (Ausgenommen sind hier wohl die Grenzgebiete und diejenigen, in denen Pionierarbeit geleistet wird.) gut in der Lage, Einigungen zu erzielen. Anders: Unter “Bumm!” kann sich jeder was vorstellen.
  • Wenn man beschreibt, was in einem einfachen sozialen Prozess geschieht (Wenn Kind A Kind B 100 mal mit dem Baseballschläger auf den Kopf haut, dann ist das aggressives Verhalten.), dann gibt es da oftmals Streit, denn anders als Chemikalie A und Chemikalie B haben Kind A und Kind B eine Lobby (oder eben nicht, möglicherweise ebenso kritisch), sie sind jemandes Kind. Dieser Jemand ist mehr oder weniger “mächtig” oder “tolerant” oder “autoritär”. Er oder sie kann auch verschiedene Einstellungen zu Gewalt haben, dass diese einen abhärte, oder dass es Kind B verdient, geklopft zu werden, wenn die beurteilende Person ein Sozialdarwinist ist, und der Auffassung, dass schwache eben geklopft werden müssen.
    Anders: Unter “aggressiv” stellt sich jeder etwas anderes vor, und es wird auch möglicherweise von jedem anders beurteilt, was “Aggressivität” impliziert, wie sie zu bewerten ist, etc. pp.

Damit kommen wir zur Krux der Beschreibung einer sozialwissenschaft mit den Methoden einer Sozialwissenschaft:

Dem Ranking… pardon, RATING liegen all jene sozialen Prozesse zu Grunde, die die Wissenschaft, die das Rating beurtteilt, aufzeigt. (Ein Freund von mir sagte neulich sinngemäß: Eine Geschichte der Soziologie ist das eine, wenn auch möglicherweise schon schwierig. Eine Soziologie der Soziologie ist möglicherweise nicht durchführbar bzw. kommt zu keinem Ergebnis… Danke an Thomas Jahnke für die einfache Formulierung des Problems. ;-)

Nach diesem Crash-Kurs zur Veranschaulichung des Problems von Ratings, Rankings und anderem dergleichen als objektiv verkleideten Bewertungsverfahren, viel Spass bei der Lektüre der Pilotstudie des Wissenschaftsrates:

Die Pilotstudie zur Soziologie und zur Chemie. (Weiterlesen lohnt nur für Menschen mit Humor, es folgt noch ein sarkastischer Nachtrag.)

Sarkastischer Nachtrag zum Bewerten an sich und zum Bewerten von Universitäten und Studenten im Speziellen

P.S.: Meine geliebte Alma Mater ist nicht dabei. Waren da die Herren Professores nicht gewillt, sich einem solchen Firlefanz zu unterziehen, oder wollte man sich nicht die Blöße geben, dass der Herr Präsident noch Wasser auf die Mühlen der Soziologieschließung bekommt? Ich mag die Soziologie in Regensburg, und überhaupt: Immer jammern alle. Zeit wäre es mal für ein Studentenrating. Ich zitiere Samy Deluxe:

Wenn dein Rap scheisse ist, gib nicht dem Mischer die Schuld!

Ergo: Wenn du nichts kapierst, dann liegt es vielleicht auch an dir. Wer öfter mal in die Bib geht, der stellt fest, dass es auch in Regensburg Bücher gibt, die sich mit Soziologie auseinandersetzen. ;-)

Und zur Bewertung der Universität Regensburg als solche und Gebäude: Wie schön ist die Uni Regensburg? Mag man Beton? Findet man möglicherweise das sanfte Prasseln des Regens auch im Gebäudeinneren beruhigend und schön? Kann die ständig lauernde Gefahr herunterstürzender Betonquader nicht auch das Leben spannend machen? Und: Bitte alles angeben auf einer Skala von 1 bis 7. :-p

© 2008 by Stefan Spiess - Mit der freundlichen Genehmigung hier alles fett zu zitieren. σ.σ.

1 Antwort zu “Newsticker Soziologie - Rating Soziologie in Deutschland durch den Wissenschaftsrat”


  1. 1 Marc | Wissenswerkstatt April 30, 2008 um 2:33 Uhr nachmittags

    Ah, da fällt mir ein, daß ich die PDF des Forschungsratings auch auf dem Monitor habe - bin nur noch nicht zum bloggen gekommen. Wobei man sagen muß, daß das Ding durchaus nicht so haarsträubende Vereindeutigungen vornimmt, wie andere Rankings…
    Soll heißen: das Rating wird seinem Gegenstand halbwegs gerecht, auch wenn man natürlich zugestehen muß, daß Reputation, Forschungsqualität, die Effizienz der Nachwuchsförderung etc. alles sehr schwierige zu beschriebende Phänomene sind.

    Da fällt mir noch eines meiner Luhmann-Lieblingszitate ein: “Botaniker sind keine Bäume.”

    Insofern auch eine undankbare Aufgabe, als Soziologe die Qualität der eigenen Disziplin, die Institute und ihre Leistungsfähigkeit zu beurteilen. Da haben es (zurück zu Luhmann) andere Wissenschaften leichter. Da gibt es den immerhin irgendwie definierbaren Gegenstand, von dem man immerhin weiß, daß man selbst (als Beobachter) kein Teil davon ist.

    Also, nur damit es nicht allzu verwirrend ist: Botaniker sind als Beobachter eben zweifelsfrei nicht Bestandteil des zu beobachtenden Gegenstandes “Baum”. In den Sozialwissenschaften ist das anders. Und spannender… ;-)

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